Lange hatten Reinhold und Christoph auf dieses Wochenende hin trainiert und endlich ging es dann los. Die Reise nach Bjugn/Norwegen, wo in diesem Jahr die World Masters Games (Allround) stattfanden, begann mit einer Flugreise über Amsterdam nach Trondheim. Schon beim Flug konnte man die Schönheit der verschneiten norwegischen Landschaft bewundern.
Die Landung am Trondheim Airport verlief problemlos und so konnten sich Reinhold, Christoph jeweils mit Partnern schnell mit dem Mietwagen in Richtung Halbinsel Fosen aufmachen. Hierzu musste noch mit der Fähre der Trondheimfjord überquert werden. Hier bot sich den Sportlern bereits eine grandiose Aussicht.
Nachdem die vier in Bjugn ihre idyllisch im Wald gelegene Hütte bezogen hatten, brachen Reinhold und Christoph sofort zum ersten Training in der Fosenhallen auf, um die dortigen Bedingungen kennen zu lernen und sich auf die Bahn einzustellen. In Bjugn hatte man es geschafft unter Beteiligung eines Großteils der Gemeindeeinwohner eine Eisschnelllaufhalle in Eigenregie innerhalb kürzester Zeit zu erbauen.
Ein solches Projekt in einer solch kleinen Gemeinde würde in Deutschland wahrscheinlich eher am Widerstand der Einwohner scheitern, als von Ihnen derart tatkräftig unterstützt zu werden. Durch diesen grandiosen Einsatz ist eine fantastische Mehrzweckhalle entstanden, die später einen würdigen Austragungsort für die World Masters Games bot. Leider war aus Kostengründen zunächst keine Heizungsanlage eingebaut worden, so dass die Halle leider die Gemütlichkeit eines Kühlschranks besaß.
Umso wärmer und herzlicher war der Empfang im Kulturhus in Bjugn, wo auch die Auslosung der Starter für die ersten Distanzen erfolgte. Man hatte den Eindruck, dass auch hier wieder die gesamte Gemeinde am Werk war. Nach einem Sektempfang erfolgte die Begrüßung durch den Bürgermeister, sowie die Veranstalter. Alles wurde aufgelockert durch verschiedene Gesangsdarbietungen und Tanzvorführungen. Zum Abschluss wurde dann zu einem gemeinsamen Imbiss gebeten, bei dem sich die Teilnehmer schnell näher kamen und sich länderübergreifend intensive Gespräche entwickelten. Sprachtalent Reinhold war hier voll in seinem Element. Munter wechselte er zwischen norwegisch, finnisch und deutsch und übersetzte, wo es von Nöten war.
Dann, am ersten Wettkampftag zeigte der Veranstalter einmal mehr, dass er diese World Masters Games ebenso ernst nahm, wie ein internationales Topevent in der Aktivenklasse. Die Eröffnung wurde ebenfalls durch Tanz- und Musikdarbietungen untermalt und stimmte die Teilnehmer so richtig auf den bevorstehenden Wettkampf ein.
Nun begannen die Wettkämpfe: Christoph hatte an diesem Tag lediglich die 500m zu absolvieren. Bei Reinhold waren es die 500 und die 3000m. Christoph musste alleine starten und hatte vor seinem Start bereits festgestellt, dass der Starter offenbar einen nervösen Zeigefinger hatte. Fast ständig gab er Fehlstarts und eine Regelmäßigkeit in der Dauer zwischen dem „Ready“ und dem Startschuss war ebenfalls nicht zu erkennen. Im Gegenteil wartete der Starter teilweise so lange, dass die Sportler jegliche Spannung verloren und dann in den Fehlstart fielen. So hatte Christoph entschieden, einen sicheren Start zu wählen um einen Fehlstart zu vermeiden. Dies kostete natürlich schon am Start wertvolle Zehntel. Dann geschah das, was Christoph schon die ganze Saison plagte. Ein Strauchler in der zweiten und besonders wichtigen Kurve führte fast zum Sturz und vernichtete die gesamte aufgebaute Geschwindigkeit. Am Ende war Christoph mit einer 43.98 und dem vierten Platz völlig unzufrieden und musste erkennen, dass der Finne Pertti Kiiskinen mit einer 40er Zeit auf Platz 2 weit enteilt war. Der nach diesem Lauf führenden Norweger Thor Olaf Tveter war für Christoph ohnehin uneinholbar.
Reinhold legte einen soliden Lauf über die 500m hin, obwohl auch er den Eindruck hatte, dass er hier nicht alles gezeigt hatte, was in ihm steckte. Sein Problem war, dass ihn am Vortag eine leichte Erkältung aus der Bahn geworfen hatte und er sich nicht richtig fit fühlte. Auch bei den 3000m plagte ihn dieses Problem. Dennoch erreichte er das Ziel in neuer persönlicher Bestzeit von 5.05,65.
Am Folgetag standen für Christoph die 1500 und die 3000m auf dem Programm. Pertti Kiiskinen startete vor Christoph, jedoch stürzte er gleich in der ersten Runde. Hierdurch büßte er natürlich wertvolle Zeit ein. Glücklicherweise verletzte er sich nicht und konnte den Lauf beenden. Christoph gab in seinem 1500m Lauf alles und verausgabte sich so, dass er wegen der kalten Luft Lungenschmerzen bekam. Mit 2.15,49 hatte er einen sehr guten Lauf, wenngleich es nicht für neue Bestzeiten reichte. Allerdings waren die Bedingungen in der Halle durch das zu kalte Eis, die niedrigen Temperaturen und die geringe Höhe der Halle über dem Meeresspiegel auch nicht für Bestzeiten geeignet. Hierunter litten natürlich alle Sportler gleichermaßen. Dennoch hatte Christoph nach dieser Distanz den 2 Rang übernommen und etwa 7 Sekunden Vorsprung auf Kiiskinen für die 3000m. Auf den 3000m zeigte sich dann allerdings wieder, dass der Finne verdientermaßen auf Silbermedaillenkurs war. Er schaffte es nicht nur den Abstand zu verringern, sondern auch noch einen kleinen Vorsprung für den abschließenden 5000m Lauf herauszulaufen. Christoph war mit seiner Zeit von 4.52,97 mehr als zufrieden. Gleichzeitig hatte er zum viertplatzierten Norweger inzwischen so viel Vorsprung herausgelaufen, dass er für die 5000m mit einem komfortablen Vorsprung von mehr als 20 Sekunden ins Rennen ging.
Reinhold lief an diesem Tag lediglich die 1500m. seine Kräfte waren wieder zurückgekehrt und so hatte er sich viel vorgenommen. Nach dem Start vergaß er jedoch die Runden zu zählen, bzw. sich nach den Anzeigetafeln zu orientieren. In der vorletzten Runde grübelte er anstatt Vollgas zu geben darüber nach, wie viele Runden er wohl noch laufen müsse. Selbst der Glocke für die letzte Runde traute er nicht so recht. Am Ende hatte er zwar mit 2.26,49 eine Zeit im Bereich seiner Bestzeit, jedoch war er unter seinen Möglichkeiten geblieben.
Für den Sonntag hatte der Veranstalter es geschafft, dass alle Teilnehmer die Chance bekamen sich auf der längsten Distanz zu beweisen. Für Reinhold und Christoph galt es nun zwölfeinhalb Runden durchzustehen und nicht vorzeitig einzubrechen. Christoph startete im Quartett im ersten Paar, während Kiiskinen ihn aus dem zweiten Paar heraus natürlich im Auge behalten und sich an ihn heranziehen konnte. Christoph versuchte alles, jedoch musste er schnell erkennen, dass die vorhergehenden Tage seine Kräfte nahezu aufgezehrt hatten. Auch machte sich hier das fehlende Ausdauertraining im Sommer bemerkbar. Obwohl er dem viertplazierten Frode Midjo mehr als eine Runde abnahm schaffte er es nicht den zweitplazierten Finnen unter Kontrolle zu bringen. Noch auf der Ziellinie hatte der Finne Christoph eingeholt und damit natürlich eine deutlich bessere Zeit. Christoph war mit seiner Leistung zwar zufrieden, jedoch hätte er gerne eine deutlich bessere Leistung gezeigt und den Kampf um Platz 2 mit schärferen Waffen geführt. Allerdings war auch schon von den Meldezeiten Kiiskinens abzusehen, dass dieser Kampf ungleich werden würde. Völlig verdient gewann er die Silbermedaille und Christoph war mit Bronze absolut zufrieden.
Reinhold hatte zwar von Anfang an keine echte Chance auf einen Medaillenplatz, jedoch lagen seine Ziele in der überaus stark besetzten Alterklasse 55 ohnehin darin sich gegenüber den vielen erfahrenen Eisschnellläufern zu etablieren und eine erste Einschätzung seiner Möglichkeiten in der internationalen Konkurrenz zu bekommen. Vor dem Beginn der 5000m lag Reinhold noch auf dem 17. Rang und es sah nach dem 3000m Ergebnis so aus, als sei der nur knapp hinter ihm liegende Norweger Alf Harbritz auf den langen Distanzen deutlich schneller und damit nicht mehr zu schlagen. Der auf Rang 16 liegende Italiener Flavio Rigon schien uneinholbar. Zudem hatte Reinhold diese Distanz auf dem Eis noch nie absolviert. So ging er in das Rennen mit dem einzigen Ziel alles zu geben und zu sehen, was es am Ende wert sein würde. Nach einem sehr guten Start wurde Reinhold auf der Strecke nicht nur von seiner Frau, sondern auch von Maggi, Christoph und Fritz als Coach unterstützt. Christoph feuerte ihn immer wieder an, sein Tempo zu halten und wies ihn auf technische Unsauberkeiten hin. Auch Maggi versuchte all ihre Kraft in die Stimme zu legen um Reinhold weiter zu motivieren. Schnell war klar, dass er sich auf einem sehr guten Kurs befand, wenn er das Tempo halten könnte. Auf den vor ihm liegenden Italiener machte er jede Runde wertvolle Zeit gut. Der Norweger Harbritz startete erst im Quartett nach Reinhold, so dass man insoweit keinen Anhaltspunkt hatte. Reinhold kämpfte sich mit unglaublichen Durchhaltevermögen auf eine grandiose Zeit von 8.36,65 und war damit fast so schnell wie Christoph! Eine Wahnsinnsleistung, die jedoch knapp nicht mehr genügte, um den Italiener Rigon noch von seinem Platz zu verdrängen. Im nächsten Lauf startete dann Harbritz. Auch er gab alles, jedoch hatte ihn dieses Wochenende offenbar mehr Kraft gekostet als Reinhold. Zwar war er noch um einige Zehntel schneller als Reinhold, jedoch genügte dies nicht mehr um den Punktevorsprung von Reinhold einzuholen. Reinhold hatte das unmöglich geglaubte geschafft und den 17. Platz verteidigt und fast noch den 16. Rang erobert. Reinhold war überglücklich.
Ein ganz besonderer Dank muss an dieser stelle Fritz ausgesprochen werden, der sowohl Reinhold, als auch Christoph bei den 3000 und 5000m coachte und sich um beide genauso kümmerte, wie um die eigenen Sportler. Ihm ist es zu verdanken, dass beide Sportler immer bestens informiert waren und im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten ihre maximale Leistungen abliefern konnten. Fritz, Multbeermarmelade kann nicht ausdrücken, wie dankbar wir Dir sind
Nicht unerwähnt bleiben darf der Rahmen, den der lokale Verein zusammen mit Kulturgruppen geschaffen hatte. Während der Wettkampftage erfreute sich die Cafeteria in der Eishalle als einziger Ort zum Aufwärmen größter Beliebtheit. Die Damen hinter der Theke machten einen grandiosen Job. Unermüdlich kochten Sie Kaffee und buken Waffeln, welche mit Schmand und Erdbeermarmelade zum absoluten Renner wurden. Auch eine Blasmusikkappelle unterstützte die Sportler sowohl in der Halle, als auch in der Cafeteria, was Reinhold zu einem spontanen Tänzchen mit seiner Frau nutze. Eine Volkstanzgruppe integrierte draußen die Schaulustigen und mitgereisten Unterstützer und ganze Schulklassen feuerten am Rande der Bahn mit lautem „Heia Heia“ die Sportler an, egal, ob Norweger oder nicht!
Die Siegerehrung mit Abschlussbankett setzte der gesamten Veranstaltung die würdige Krone auf! Keine Mühen hatten Veranstalter und lokale Kulturgruppen gescheut! Ein Chor bot folkloristische Gesänge dar. Die Tochter von Reinholds und Christophs Vermieterin spielte ein Trompetenstück, welches sie trotz Ihrer großen Aufregung ganz hervoragend darbot und tosenden Applaus erntete und andere Gruppen zeigten ebenfalls ganz beeindruckende Vorführungen.
Für Christoph war es natürlich ein ganz besonderes Ereignis dann bei der Siegerehrung erstmals auf das Treppchen klettern zu können. Im Vorjahr hatte er aus Zeitgründen auf die Ehrung verzichten müssen.
Auch Kiiskinen sah man den Stolz über Platz 2 deutlich an. Noch etwas stolzer musste wohl der Norweger Tveter gewesen sein. Der Goldmedaillengewinner hatte sich offenbar so ausgiebig gefreut, dass er einige Schwierigkeiten mit der Balance auf dem Podium hatte, doch Christoph und Pertti waren ganz Sportsmann und stützten den angeschlagenen Sieger etwas. Für das Bild hatte er dann natürlich Haltung angenommen 
Nach einem äußerst köstlichen Bankett kam dann die Stunde der lokalen Liveband, bei der auch der Eismeister ordentlich mitmischte. Bis in die Nacht hinein heizten Sie den Sportlern und Begleitern ordentlich ein und Reinhold, Moni, Christoph und Maggi mussten förmlich aus dem Kulturhaus gekehrt werden.
Volker Serini brachte in seiner Ansprache die gesamten Empfindungen und die Stimmung der Sportler dann auf den Punkt, indem er eingestand, dass er hier in Bjugn die besten, schönsten und emotionalsten World Masters Games bislang erlebt habe und er lobte den Veranstalter und die Gemeinde Bjugn für diese wirklich gelungene Veranstaltung. Dem möchten wir uns als BoSS 05 Teilnehmer anschließen!
Vielen Dank Bjugn, Fosenhallen und BØSK für ein wirklich grandioses Wochende, beeindruckende Weltmeisterschaften und den warmen herzlichen ja fast familiären Empfang!