Ein „persönlicher“ Rennbericht von Reinhold Marsollek
Liebe Skatefreunde,
ein Glückwunsch zur Landesmeisterschaft war der Anlass, gleich allen BoSS 05-Vereinsmitgliedern einen Bericht zum Karstadt Marathon zukommen zu lassen.
Da dieser Bericht inzwischen eins zu eins der Presse zur Verfügung gestellt wurde und auch Herr Mronz, der Hauptverantwortliche des Events ihn vorliegen hat, soll er für einige Tage ungekürzt auf unserer Blogseite stehen.
Die Ruhrnachrichten (nicht Mitveranstalter) berichteten schon.
Gerade, weil auch die Diskussion über die gravierenden organisatorischen Mängel am 17.05.2009 und die Diskussion über die Zukunft unseres Rennsports im vollen Gange ist, soll er dazu beitragen, sich ein besseres Bild von der Situation zu machen. Als ich etwa eine Stunde nach meinem Rennen auf der bald trockenen Strecke noch einen schnellen Halbmarathon zu Fuß nachlegte, wurde mir noch viel klarer, welchen Gefahren wir Speedskater und andere Teilnehmer durch Fahrlässigkeit ausgesetzt wurden.
Hanspeter Detmer und John Gerhardts haben mir inzwischen geantwortet.
Und auch der Veranstalter:
„Hallo Herr Marsollek,
vielen Dank für ihr Feedback bezüglich des Karstadt Marathons 2009.
Wir sind sehr dankbar für ihre konstruktive Kritik und werden diese sehr ernst nehmen. Die von ihnen angesprochenen Schwachstellen werden wir benennen und beseitigen, um den Karstadt Marathon im nächsten Jahr zu optimieren.
Mit freundlichen Grüßen“
Hier nun mein kritischer „persönlicher“ Rennbericht vom 18.05.2009.
Viele Grüße, Hals und Beinbruch
Euer
Reinhold Marsollek
Danke K., auch wenn ich diesen Marathon und die Landesmeisterschaft fast erwartungsgemäß in meiner Altersklasse mit deutlichem Abstand gewann und bei Regen, vielleicht weltweit, keine Konkurrenten fürchten muss, war alles äußerst gefährlich; hätte auch noch unter die ersten 10 kommen können, wollte aber im Zielbereich nichts mehr riskieren, nachdem wir mehrmals mehrere Parallel-Walkerinnen mit Stöcken(!) auf den letzten 2 km vor dem Ziel fast umgenietet hätten.
Ich nutze hier die Gelegenheit, um unseren Mitgliedern einen kleinen Bericht zukommen zu lassen. Einen kurzen Pressebericht verfasse ich morgen.
Nach dem Start hängte ich mich zunächst hinter Daniel Pütter. Als dieser aber schon nach 3 km schwächelte und eine Lücke entstehen ließ, gab ich Gas und schloss als 55-jähriger alter Knacker vorne auf. Davor sind wohl schon Puderbach, Maurer und Co. abgehauen, ohne dass ich es sah. Die Elitefrauen haben wir schnell eingeholt und abgehängt.
Die Regenrolle, die ich schon auf Bornholm testete, gab mir guten Halt.
Der Regenmarathon auf der Rolle war insgesamt wenig anstrengend für mich. Habe mich zurück gehalten, bei km 33 nur kurz geführt, aber auch laut angekündigt, dass ich im Ziel verhalten fahren werde. Die Teams arbeiteten vor mir ohnehin nach eigenen Plänen und ich war als Einzelvertreter von BoSS 05 eher ein Paradiesvogel unter ihnen, den man durch Attacken abzuschütteln versuchte. Ausruhen konnte ich mich dann vor allem an Anstiegen, die für meine Verhältnisse extrem langsam bewältigt wurden.
5 km vor dem Ziel begegneten wir mehrreihig aufgestellten Walkern mit Fahnen und Bierkasten, die wir weg brüllen mussten. Welch hirnverbrannte Veranstalteridee, Walker vor den Skatern auf die Strecke zu lassen!!!
Beim Regenrennen sind von den 14 Skatern meiner Gruppe sieben(!), ohne aggressiv gefahren zu sein gestürzt, hauptsächlich wegen katastrophaler Sicherheitsmängel auf der Strecke (darunter auch Thomas Wallaschkowski, der dann die AK40 gewann und im Ziel 9 Sekunden Vorsprung vor mir hatte). Drei von ihnen holten uns nicht mehr ein, auf die anderen warteten wir. Häufig auftretende Schienen wurden nie als Gefahrenmoment angekündigt, geschweige den mit Seilen ausgelegt, manche Schienen lagen auch unter Wasser. Mit am schlimmsten war – auch wegen der Schienen und Spaziergänger und fehlenden Ordnungspersonals – die Fahrt im Pulk durch das Gelände der Essener Zeche „Zollverein“. Kanaldeckel für den Wasserablauf, in Fahrtrichtung gerillt, zwangen anderswo manchmal sogar in Kurven zu äußerst riskanten Manövern. Einmal, als sich ein Skater in einer Kurve hinlegte und mittels „Radschlag in der Horizontalen“ 3m vor mir drei weitere Konkurrenten mitriss, bin ich gerade noch durch einen riskanten Sprung auf den glitschigen Bordstein Schlimmerem entgangen.
Welch ein Idiot kam außerdem auf die Idee, bei Regen glitschig werdendes Papierkonfetti im Zielbereich abregnen zu lassen. Lutz Eisel, der zwölfeinhalb Minuten nach mir ins Ziel kam und noch die AK60 gewann, legte sich deswegen 50 m vor Schluss auf das Gesicht und musste genäht werden.
Wie kann man nach der 42-km-Matte auf den Boden eine mehrere Quadratmeter große KARSTADTSports Plastikfolie aufkleben, aber eine deutliche Kennzeichnung des Ziels 195 m später vergessen? Viele Skater rutschten auf der Matte aus und stürzten, sie wurde nach Lutz´ Unfall entfernt.
Ich werde dem Veranstalter und in Kopie dem RIV einen geharnischten Brief zu den Sicherheitsmängeln zukommen lassen. Ich weiß gar nicht, wie das Rennen eine C-Lizenz bekommen konnte. Vielleicht bin ich auch bloß verwöhnt, weil ich als Kadermitglied in den letzten 3 Jahren fast nur A-, Top- oder Extrem-Rennen wie auf Bornholm bestritt.
Als ich den Karstadt Marathon zum ersten Mal gewann, waren 2000 Skater am Start. Heute erreichten (mit Frauen) nur 519 das Ziel. Viele verzichteten noch kurzfristig auf den Start, nachdem wir über 50 Minuten bei strömendem Regen im Startbereich froren, weil die Veranstalter die Strecke nicht freigeschaltet bekamen. Viele verzichteten, ob des Wetters und blieben zu Hause. Wer wird nach der heutigen Katastrophe noch 2010 mitrollen wollen?…
Ich „musste“ mitfahren, da mein Privatshuttle für den Schulwerbelauf in Essen auf mich wartete.


Bin nach der Zieleinfahrt noch mit Schulleuchtweste „MIT WALDORF LÄUFTS“ ab Herne einen Halbmarathon in 1:49 zu Fuß gelaufen (ab km 20 eingestiegen). Habe dabei gut 10 gemütliche Fotopausen gemacht und Zuschauer gebeten, mich für die Homepage der Schule zu knipsen. Helga, der Schülerin eines Privatgymnasiums aus Lüdinghausen, verhalf ich zu einer schnellen Staffelzeit über 5 km.
Nach dem heutigen Marathon traf ich eine persönliche Entscheidung: Ich beschloss, bis ich 59 bin, keine Straßenrennen außer Einzelzeitfahren mehr zu bestreiten. Auch auf die Masters-WM und -EM verzichte ich. Sicher könnte ich mich auch noch 2009 – mit 55 – leicht qualifizieren. Selbstverständlich werde ich für mich weiterhin die Langstrecken und Anstiege trainieren. Mein Hauptaugenmerk gilt den Bahnrennen, wo ich meine Deutschen Rekorde weiter komplettieren werde. Vor allem aber gilt mein Sommerpensum der Vorbereitung auf die Eisschnelllauf-Saison, wo ich mich der Weltspitze schneller als erhofft genähert habe.
Viele Grüße auch an Rolf und Ralf, die, hoffentlich ohne Blessuren, ihre „Hauptvereinsfarben“ zum Ziel fuhren.
Euer Reinhold
Am 17.05.2009 um 17:41 schrieb K. G.:
Herzlichen Glückwunsch zum 1./14. Platz!
Gruß
K. G.