Nachdem der Masters-Nationalkader beschlossen hat, die mehrfach verschobene Marathon-Weltmeisterschaft im September in Italien zu boykottieren, waren die 100 km rund um die dänische Insel Bornholm mit langen Aufstiegen und rasanten Abfahrten für 2008 das wichtigste Langstreckenziel des Vorsitzenden des Bochumer Inline- und Eisschnelllaufvereines BoSS 05 Reinhold Marsollek. Mit bis zu fünf verschieden strukturierten Trainingseinheiten täglich hatte er auf der Insel drei Wochen Zeit, sich bei fast idealen Wetterbedingungen auf das Extremrennen vorzubereiten.
Der zu bewältigende Gesamthöhenunterschied der Strecke betrug etwa 1000m und 80% davon waren schon auf den ersten 50km zu meistern. Gerade die kurvigen Abfahrten in diesem Abschnitt verlangten von den Anwärtern auf Spitzenplätze selbst bei trockener Asphaltdecke bei bis zu 80km/h höchstes technisches Können.
Die für den Wettkampftag vorhergesagte hohe Regenwahrscheinlichkeit und starker Gegen- und Seitenwind mit Böen von bis zu 15m/s, besonders in der zweiten Streckenhälfte ließen Träume von neuen Rekordzeiten verwehen. Viele Teilnehmer kapitulierten deswegen schon vor dem Start oder während der Anstiege auf der Strecke. Schwere Sturzverletzungen blieben aus.
Gleich am ersten Anstieg nach dem Start in Rønne begann es zu tröpfeln. Dort erarbeitete sich eine Siebenerergruppe mit Mehrfachsieger Claus Hechmann, dem Vorjahresvierten Mickey Jensen, Ole Hansen(alle DK), Staffan Bergvall(S), Morten Sæthre(N), Frantisek Micek(CZ) und Marsollek von BoSS 05 einen kleinen Vorsprung.
Am zweiten Anstieg mit 50 Höhenmetern blieben nur noch Hechmann, Jensen, Bergvall und Marsollek zusammen.
Vor Hasle konnte auf nassem Belag lediglich Marsollek dem 12 Jahre jüngeren Hechmann folgen, der Bochumer schaltete aber nach 10km gemeinsamer Fahrt einen Gang zurück und ließ sich von Jensen und Bergvall zunächst einholen, weil er Gefahr lief, bei Zusammenarbeit mit einem der weltbesten Ultramarathonspezialisten und “Kletterern” zu viel Kraft zu verlieren.
Für 30km wurde es trocken, sodass das Trio Marsollek, Jensen und Bergvall den Abstand zu Hechmann zunächst klein halten konnte. Die Marathonmarke wurde von der Gruppe nach Anstiegen und Gefällen von etwa 600 Höhenmetern nach 1h: 24min passiert.
Bei km 50 dann der Schrecken: Mitten in der schnellsten Abfahrt tuschierte Marsollek in einer starken Linksschleife mit etwa 60km/h die rechte Rasenkante, überschlug sich spektakulär und blieb dank der Schutzausrüstung völlig unverletzt. Es gelang ihm, zu seinen beiden Konkurrenten aufzuschließen.
Die letzten 45 km waren von Starkregen und -Wind dominiert. Hier konnte der Bochumer seine Trümpfe ausspielen, als er merkte, dass der 40-jährige Jensen und der 20-jährige Bergvall zunehmend müder wurden.
Im ersten Fluchtversuch nach 80km gelang es Marsollek Mickey Jensen abzuhängen. Gegen den Dänischen Eliteläufer zog der Deutsche auf Bornholm bisher immer den Kürzeren.
Zwar kam Staffan Bergvall nach einem Kilometer wieder heran, jetzt zahlte sich aber die Erfahrung des 54-jährigen Sportlehrers Marsollek aus, der mit dem Sturzregen und der Langstrecke deutlich besser zurecht kam.
Bei km 85 brach der junge Schwede ein und erreichte erst 2min : 42s nach Marsollek das Ziel in Rønne. Jensen lag über viereinhalb Minuten hinter. 3h : 29min : 58s war die Siegerzeit von Hechmann. Marsollek war nur um 9min : 20s langsamer.
Zwar erreichte der Bochumer beim Bornholmer Rekordrennen 2007 als Sechster eine Zeit von 3h : 14min. Die Ankunft als Gesamtzweiter bewertet er aber natürlich viel höher.
In Marsolleks Altersklasse AK 50+ erreichten 11 Konkurrenten das Ziel.
Zweiter wurde dabei wie im Vorjahr Ole Jensen, der dänische Triathlon Europameister. Seine Zeit: 4 h : 2 min : 17 s.
Am 13. September möchte Marsollek auf dem Betonoval von Grefrath versuchen, fünf deutsche Bahnrekorde auf Strecken zwischen 100m bis 5000m zu verbessern. Zwei davon hält er bereits. Jetzt wird anders trainiert…